Harald Staun hat heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung einen langen Beitrag zu den Geschäftsmodellen von Online-Medien veröffentlicht.
Sein Text ist lesenswert. Er fasst (womöglich erstmals) in verständlicher (deutscher) Sprache zusammen, was eine wachsende Zahl von Netzjournalisten umtreibt: jene ebenso spannende wie folgenreiche Transformation, die die Geschäftsmodelle klassischer Online-Medien derzeit durchlaufen. Geht man davon aus, dass die Bedeutung dieser Online-Medien weiter wächst, behandelt Staun somit nicht weniger als die Frage, wie sich ein nennenswerter Teil des Journalismus in einigen Jahrzehnten finanzieren wird.
In ihrer ersten Phase adaptierten klassische Online-Medien einfach das Modell der alten. Das Äquivalent zur Print-Anzeige war und ist das Werbe-Banner. Mehr als ein Jahrzehnt kamen sie damit gut zu Rande, und zumindest die großen Websites ernähren davon ganz ohne Quersubventionen so viele Redakteure, wie sie auch ein großes Monatsmagazin oder eine kleine Tageszeitung beschäftigt.
Mittlerweile sind neben die klassischen Werbeformen viele weitere getreten, die - für bestimmte Zwecke - erheblich effektiver zu sein scheinen. Ein Hersteller etwa, der die Welt nicht mehr von der Schönheit seines neuen Automobils überzeugen muss, sondern schlicht Probefahrten generieren will, wird nicht unbedingt eine klassische Anzeige schalten. Er kann zum Beispiel auch eine Google-"
Adwords"-Kampagne wählen und die Suchabfrage "BMW Testfahrt" bei Google mit den bekannten Text-Kästen bewerben.
Oder er kann mit Hilfe von Googles "
Adsense"-System seine kleine Textanzeige direkt auf einzelnen Seiten platzieren, die über Auto-Testfahrten berichten.
Auch FOCUS Online lässt solche Google-Anzeigen zu, siehe etwa
hier, rechte Spalte, ebenso FAZ.net - sogar in der Online-Version des genannten Print-Beitrags zu Geschäftsmodellen ist (eher unpassende) Google-Werbung platziert:
Die für viele Journalisten noch neue Welt der content- und transaktionsnahen, auf Effektivität getrimmten Anzeigen, für deren Preis die Inserenten wie auf einem Aktienmarkt bieten, hat die Inhalte im Netz bereits verändert. Längst gibt es Websites, die nur existieren, um ein möglichst attraktives Content-Biotop für Adsense zu erschaffen. Eine ganze Branche lebt davon.
Nach und nach erreichen derlei neuen Werbeformen, die längst nicht nur von Google angeboten werden, auch die großen journalistischen Online-Medien. Ob und wie sie unsere Arbeit verändern können, ist noch nicht abzusehen. Eines jedoch ist bereits klar: Im Grunde kann bereits heute jeder Artikel als eigenes Geschäftsmodell betrachtet werden. (Mit dieser Feststellung hat mich Harald Staun zitiert.)
Darauf zu achten, dass genau das nicht geschieht, ist in den Zeiten des Internet eine Aufgabe von Journalisten. (Dank dieser Überzeugung lud Jeff Jarvis, einer der einflussreichste Medienblogger, kürzlich zu einer informellen Konferenz mit dem Titel: "Business Models for News". In New York herrschte kämpferische Stimmung.) Hervorragender Journalismus beruht meist auf einer Mischkalkulation. Auch die Anzeigen im gedruckten Feuilleton der FAZ könnten eben dieses Feuilleton nicht finanzieren. Es hängt am Tropf des Wirtschafts- und Immobilenteils, des Stellenmarkts.
Was nun aber, wenn das Internet die Klammer der Medien auseinanderreißt? Eben dies geschieht dank allerlei
Feedreadern,
Widgets und
Gadgets - vor allem aber wiederum: durch Google. Alle großen journalistischen Websites erhalten heute mindestens ein Drittel ihrer Besuche nicht mehr über ihre Homepage, sondern durch die nämliche Suchmaschine, Tendenz steigend. Google und Co. zerlegen den Inhalt eines Mediums gleichsam in seine Einzelteile.
Die Medien werden granular.